Alexander Müller verbessert eigenen Rekord

Neue Streckenflug-Bestleistung am Bayreuther Flugplatz

Ferdinand Hauck

Alexander Müller hat seinen eigenen Flugplatzrekord geknackt. Mit 1.297 km Streckensegelflug hat er am Freitag letzter Woche seine eigene Bestmarke aus 2014 um 62 km übertroffen. Damit steht er nun auch wieder auf Platz 1 der deutschen Streckenflugwertung und festigt die Führung in der europäischen Wertung.

Gleich zwei Spitzenleistungen konnte Müller letzte Woche vollbringen. Bereits am Donnerstag gelang ihm ein Flug von 1.203 km und damit die Rückkehr auf Platz 1 der deutschen Streckenflugwertung, auf den ihm zuvor seit 30. Juni 8 Punkte gefehlt hatten. Platz 1 der europäischen Wertung hatte er bereits durchgehend seit 20. Juni inne, hier wurde noch ein Flug von Mitte April aus dem österreichischen Lienz mitgezählt.

Für Müller war das kein Grund zum Ausruhen: Das gute Wetter rief ihn auch am Freitag wieder an den Start. Für seine Verhältnisse erstaunlich spät, erst um 10 vor 10, legte er los und steuerte sein Flugzeug zunächst die Kette aus Frankenwald und Thüringer Wald hinauf bis an die thüringisch-hessische Grenze. Von dort aus nahm er sich den Gebirgskamm in der Gegenrichtung vor und kam in gerader Linie 399 km weit bis kurz vor Bad Leonfelden in Österreich. Auf diesem Schenkel hat ihm der Rückenwind zu einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 142,21 km/h verholfen. Bad Leonfelden diente Müller bereits bei seinem ersten, inzwischen legendären 1.200-km-Flug vom 3.7.2010 als Wende. Statt aber wie seinerzeit nochmals die Gebirgsreihe hinauf zu fliegen, schlug er von Bad Leonfelden aus dieses Mal einen Weg nach Norden quer durch Tschechien ein. Er passierte Prag östlich und traf bei Mladá Boleslav auf das Erzgebirge, das ihm nun den Weg zurück nach Westen vorgab. Doch anstatt heim Richtung Bayern zu fliegen, blieb er im Vogtland auf Westkurs und steuerte noch einmal den Thüringer Wald an, um erst im Bereich von Neuhaus am Rennweg den Heimweg anzutreten. Zurück im Fichtelgebirge blieb ihm jedoch noch Zeit für einen weiteren Abstecher bis in die Wälder nördlich von Marienbad. Dieser "Ausflug" wurde allerdings nicht mehr vollständig in die Wertung aufgenommen, da im Regelwerk nur sechs Teilstrecken vorgesehen sind. Das Auswerteprogramm hat daher eine gerade Linie vom Wendepunkt bei Neuhaus am Rennweg zum Wendepunkt bei Marienbad gezogen anstatt die Ecke über das Fichtelgebirge vollständig mitzuzählen. Dafür konnte Müller den Tag noch mit einem Schlussgleitflug von 115 km ausklingen lassen, bis er bei Michelau den Hilfsmotor gestartet hat, um die Wertung zu beenden. Hätte er den Heimflug nach Bayreuth im reinen Segelflug vorgenommen, hätte das Auswertung eine weitere Teilstrecke rausrechnen müssen.

Mit gerade einmal 10 Stunden 50 Minuten Wertungszeit war es nicht einmal einer der zeitlich längsten Flüge von Alexander Müller, mit 1.297,5 km aber mit erheblichem Abstand sein bislang längster Flug in Europa und der längste jemals in Bayreuth gestartete Segelflug. Der Pilot selbst kommentierte dies im Wertungsportal onlinecontest.org eher lakonisch: "Irgendwann musst aufhören, sonst wird's Nacht und du bleibst stehen..."

Mit dieser Leistung konnte er sich in der weltweiten Wertung von Platz 5 auf 4 verbessern, wobei er die meisten Flüge der Welt-Wertung im Winter in Namibia erreicht hat. Nur der neue Bayreuther Rekordflug kommt in die Riege seiner sechs besten Flüge dieser Saison, die auch in diese Wertung eingehen. Unter den 30 gewerteten Flügen der besten fünf Piloten weltweit, ist Müllers Flug vom vergangenen Freitag der einzige auf der Nordhalbkugel gestartete Flug. Vor ihm liegen zwei weiter Piloten, die ihre Flüge in Nambia erreicht haben und auf Platz 1 der als "Weltraumtourist" bekannt gewordene US-Amerikaner Dennis Tito, der in einem Forschungsprojekt in den Anden einsame Bestmarken von bis zu 2.620 km vorgelegt hat.

Nach 2010, 2014 und 2015 steht Müller nun zum vierten Mal vor dem Gewinn der deutschen Streckenflugwertung, zum dritten Mal vor dem Gewinn der europäischen Wertung. Angesichts von 627 Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten stehen die Chancen gut, dass er dieses Mal die Führung behalten kann, da die Tage nun kürzer werden und damit die Zeit für ganz große Streckenleistungen zu Ende geht. Allerdings hat Müller selbst am Dienstag mit 1.157 km bewiesen, dass das Eisen noch heiß ist.