Student fliegt 1.100 km im Segelflugzeug

Clemens Pape erringt punkthöchsten Flug 2017 in Deutschland

Ferdinand Hauck

Eine sagenhafte Wetterkonstellation hat die Bayreuther Segelflieger am 1. Juni auf Langstrecke gelockt: Clemens Pape flog nicht nur seinen ersten 1.000-km-Flug, sondern gleich 1.172 km mit einem Flugzeugtyp, für den das in Deutschland kaum für möglich gehalten wurde. Mit 1.248 Punkten hat er den punkthöchsten Flug dieser Saison in Deutschland im Streckenflugportal onlinecontest.org erreicht.

Pape startete bereits wenige Minuten vor neun, konnte am Fichtelgebirge sofort auf 1.500 m steigen und nahm von dort aus Kurs auf den Bayerischen Wald. Kurz vor Grafenau wendete der Student seinen Flieger in Richtung seiner schwäbischen Heimat, um bereits um kurz vor zwei bei Blaubeuren auf Nordkurs zu gehen. Die besten Teile seines Fluges standen ihm da noch bevor, denn erst am Thüringer Wald wurde es „abartig gut“, wie Pape die bombastische Aufwindlinie dort beschrieb.

Nahe der Wartburg geriet er in eine Konvergenz, eine Linie, an der zwei Luftmassen aneinander stoßen und die Luft nach oben drücken. Mit der Luft werden auch die Segelflugzeuge nach oben getragen und können die so gewonnene Energie in Geschwindigkeit umsetzen. Und das hat Pape getan: Mit 160 km/h drückte er seinen Flieger in 2.000 m Höhe gegen die Thermik. In knapp über einer Stunde war er wieder im Fichtelgebirge. Da war es zehn Minuten vor sechs – bei diesem Wetter deutlich zu früh zum Landen. Also ritt er die Kovergenzlinie noch einmal zurück in den Thüringer Wald bis Suhl, um schlussendlich um 21 Uhr bei Schwandorf das abendliche Ende der Thermik zu erspüren. Mit dem Hilfsmotor ging es dann heim zur Landung am Bindlacher Berg um 21:45 Uhr. 1.172 km im Segelflug standen am Ende des Tages in der Wertung des Portals onlinecontest.org. Mit 1.248 Punkten ist dies der punkthöchste Flug in Deutschland in dieser Saison.


Clemens Pape erschöpft, aber glücklich nach der Landung am Flugplatz Bayreuth-Bindlacher Berg im letzten Büchsenlicht und mit dem verdienten Feierabendbier in der Hand.


Parallel hat auch Papes Teamkollege Alexander Müller über 1.100 km erreicht. Beide standen in regem Funkkontakt. Das bewundernswerte an Papes Leistung ist aber, mit welchem Flugzeug er sie erreicht hat: Während Müller seine Langstreckenflüge mit einem High-End-Flugzeug mit 29 m Spannweite und einem Ideal-Gleiten von 1:70 (1 Kilometer Höhe ermöglicht bis zu 70 km Strecke) erreicht, hat Pape seine Strecke mit einem Förderflugzeug für Nachwuchspiloten vom Typ Discus 2c erreicht, das nur 18 m Spannweite und daher „nur“ ein bestes Gleiten von 1:45 aufweist. 1.100-km-Flüge im mitteleuropäischen Klima hätte mit diesem Flugzeug wohl kaum jemand für möglich gehalten.

Pape schiebt sich damit auf Platz zwei der deutschen Streckenflugwertung, Alexander Müller auf Rang fünf. Mit ihren Flügen im europäischen Ausland liegt Müller zudem auf Rang zwei der Europa-Wertung, Pape auf Rang vier.

Dabei hätte Pape am Vortag noch nicht viel auf gutes Wetter gegeben, hat morgens noch sein Auto aus der Werkstatt geholt und musste abends noch auf eine Studentenparty. Lakonisch kommentierte er den Flug im Internet dann auch mit „muss schnell heim essen, habe heute morgen mein Vesper vergessen“.

Das Flugzeug hat Pape von einem Sponsor des Wertungsportals onlinecontest.org für die Saison 2017 zur Verfügung gestellt bekommen und damit dem Bundesliga-Team der LSG schon kräftig unter die Arme gegriffen. Mit diesem Flug hat er sich nun als Fünfter und Jüngster in die Reihe der Bayreuther 1.000-km-Piloten eingereiht.