Bundesliga-Rundenbericht 07/2019

LSG Bayreuth übernimmt wieder doppelte Tabellenführung

Ferdinand Hauck

Mit drei Flügen über 110 km/h haben sich die Segelflieger vom Bindlacher Berg wieder an die Tabellenspitze von Bundes- und Weltliga zurückgekämpft. In der Bundesliga stehen die Titelverteidiger nun punktgleich mit dem Finalkonkurrenten vom Vorjahr LSR Aalen. Mit Manisha Große Verspohl ist erstmals seit fünf Jahren wieder eine Pilotin in der LSG-Wertung.


Am Samstag Abend waren die Bayreuther fast ein bisschen geknickt, angesichts der nicht allzu berauschenden Zwischenwertung. Zwar hatten sieben Piloten Flüge zur Wertung eingereicht, doch nur Heiko Hertrich und Alexander Müller lagen über 100 km/h. Diese Stimmung war am Sonntag schnell vergessen als klar war, dass die ostbayerischen Mittelgebirge und das Erzgebirge zu den wenigen Regionen Deutschlands gehören würden, wo die Aufwinde Wolken ausbilden und so die Thermik leicht zu finden sein dürfte. Damit war die Hoffnung groß, dass die Wertungen vom Samstag übertroffen werden konnten und die Rundensieger der Bundesliga aus diesen Regionen kommen würden.


Insgesamt acht Flugzeuge gingen am Bindlacher Berg zu Überlandflügen an den Start. Alexander Müller war wie so häufig der allererste in der Luft, mit dem Ziel eine möglichst lange Strecke zu erreichen. Nach dem Start um kurz vor zehn ging es für ihn zunächst bis ans südliche Ende des Bayerischen Waldes, um von dort aus mit Rückenwind die Gebirgskette hinauf bis ins Fichtelgebirge zurückzulegen und mit einer 90-Grad-Kehre das Erzgebirge hinauf zu fliegen. Nach Ankunft in Bayreuth standen für Müller 1.151 km in der Wertung, für die Ligen eine Wertung von 113,67 km/h. Während sich ein Teil des LSG-Teams Müllers Weg Richtung Bayerwald anschloss, begegnete er im Erzgebirge der anderen Gruppe bestehend aus den beiden Doppelsitzer-Teams Heiko Hertrich mit Daniel Große Verspohl und Manisha Große Verspohl mit Sebastian Baier. Diese hatten sich nach dem Start gegen ein Uhr entschlossen, direkt das Erzgebirge anzusteuern.


Nach dem ersten Bundesliga-Flug wieder glücklich zurück am Bindlacher Berg: Manisha Große Verspohl kurz vor der Landung auf dem Bayreuther Flugplatz


Nachdem sie im Fichtelgebirge ausreichend Höhe für den Streckenflug erklommen hatten, konnten die beiden Doppelsitzer hervorragende Bedingungen antreffen: Rund zwei Stunden lang konnten sie ohne Kreisen den Wolkenstraßen und den darunter aufgereihten Aufwinden folgen. Erst südlich von Dresden waren diese Reihungen zu Ende, aber beide Teams entschlossen sich nochmal etwa dreißig Kilometer unter den schon vollgesogenen Wolken hin und her zu fliegen. Selbst als die Wolken schon Regen von sich gaben, saugten sie noch weitere Luft an, so dass die vier Bayreuther auch im Regen noch stiegen. Über dem Vogtland hörten die Wolken auf und Hertrich war richtig enttäuscht, dass er nicht die volle Wertungszeit von 2,5 Stunden ohne Kreis geschafft hat. Trotzdem gelang es ihm innerhalb der Wertung über Bayreuth hinaus zu gleiten. Da bei diesem Flug der Wertungsbeginn eindeutig der erste Aufwind im Fichtelgebirge war, konnte er seinen Segler minutengenau auf die Ausgangshöhe zusteuern und nach genau 2:30 Stunden bei Mistelbach gezielt zur Heimkehr an den Bindlacher Berg wenden. Mit 117,85 km/h wurde er der beste Bayreuther dieses Wochenendes.


Manisha Große Verspohl und ihr Trainer Sebastian Baier vor dem Start, während Heiko Hertrich im Hintergrund noch seinen Flieger vorbereitet


Manisha Große Verspohl war eigentlich zur Generalprobe eines Pfingsten beginnenden LSG-internen Streckenfluglehrgangs gestartet und hatte sich dazu Lehrgangsleiter Sebastian Baier ins hintere Cockpit des Vereins-Leistungs-Doppelsitzers gesetzt. Baier ließ seine Pilotin gezielt die Bundesliga-Taktik fliegen. So lange es ging, flogen sie trotz etwas schlechterem Flugzeugtyp mit Heiko Hertrich im Team. Doch etwa ab der Mitte des Erzgebirges wurde der Abstand zu groß und die beiden mussten ihr Gespür für die Aufwindlinien selbst einsetzen. Mit großem Erfolg: 113,61 km/h bedeuten eine nur im Hundertstel-Bereich hinter Alexander Müller liegende Wertung und die drittschnellste LSG-Wertung der siebten Runde.

Manisha Große Verspohl ist damit erstmals in der Bundesliga-Wertung der LSG vertreten. Die 35-Jährige ist zum Teil als "Flugplatzkind" am Bindlacher Berg aufgewachsen und fliegt seit 20 Jahren selbst. Letztes Jahr musste sie noch wegen Schwangerschaft komplett pausieren, hat sich aber nun zur Teilnahme an Sebastian Baiers Streckenfluglehrgang entschlossen, mit dem die LSG gezielt jüngere Piloten fit für Streckenflüge machen möchte. Auch an den nächsten beiden Wochenenden werden die Teilnehmer dieses Lehrgangs versuchen mit den langjährigen Spitzen des Bundesliga-Teams mitzuhalten.

Die Geschwindigkeitssumme von 345,12 km/h für diese drei Flüge reicht für Rundenplatz vier in Bundes- und Weltliga, das entspricht 17 Punkten in der Bundesliga und 37 Punkten in der World League.


Auch der Rundensieg beider Ligen ging nach Oberfranken: Der AC Lichtenfels brachte es auf 375,89 km/h mit ebenfalls drei Erzgebirgs-Flügen. Mit der eigentlichen Geschwindigkeit waren alle drei Korbstädter sogar etwas langsamer als Hertrich, die Verrechnung mit einem Index für den Flugzeugtyp sorgte aber für eine Verschiebung der Wertung zugunsten der Lichtenfelser. Mit dem FSC Odenwald Walldürn, derzeit auf Besuch in Erbendorf, und dem FLC Schwandorf folgen zwei weitere Vereine mit nordbayerischen Startplätzen vor Bayreuth. Auf Schwandorf fehlten der LSG gerade einmal vier km/h. Auch hinter der LSG geht es mit Bamberg und Aufsteiger SFG Steinwald aus Erbendorf bayerisch weiter.

Da der bisherige Tabellenführer LSR Aalen nur Siebter wurde, reicht es für die LSG sich mit gleicher Punktzahl, aber etwas höherer Geschwindigkeitssumme in der Bundesliga-Tabelle an Aalen vorbei wieder auf Platz eins vorzuschieben.

Die Weltliga-Rundenwertung ist auf den ersten vier Plätzen identisch mit der Bundesliga, erst nach Bayreuth folgt mit dem Club Cumulus Fuentemilanos (Spanien) der erste ausländische Verein. Der bisherige Tabellenführer Rinteln landet auf Rundenplatz 21 und somit kann Bayreuth in der World League die Führung sogar mit 13 Punkten Vorsprung übernehmen.