Bundesliga-Rundenbericht 12/2019

Aus den Wetterkapriolen das beste gemacht

Ferdinand Hauck

Die zwölfte Runde der Segelflug-Bundesliga fing nicht gut an für die Piloten der LSG Bayreuth. Am Samstag konnten nur zwei Piloten die Mindestwertung erreichen. Erst am späten Sonntagnachmittag ermöglichte das Wetter eine annehmbare Leistung. Platz eines der Bundes- und Rang zwei der Weltliga bleiben der LSG somit erhalten.

Der erste Tag fing mit Starkwind und nur wenigen Piloten an. Nur Heiko Hertrich und Patrick Wölfel mit Andreas Baier im Doppelsitzer wagten einen Start. Sogleich stellte sich die größte Herausforderung für diesen Tag ein. Musste doch das Doppelsitzerteam nach dem Windenstart lange kämpfen, um überhaupt oben bleiben zu können, so gelang Hertrich sofort ein problemloser Aufstieg in große Höhen. Auch nach dem Abflug nach Norden lief es gut für ihn. Sogar eine für diese Jahreszeit eher ungewöhnliche Atmosphärenerscheinung konnte Hertrich nutzen: Wellenaufwinde. Diese Wellen entstehen meist bei starkem und mit der Höhe zunehmenden Wind. Sie werden entweder durch Hügel und Berge angeregt, oder durch unterschiedliche Luftströmungen in verschiedenen Höhen. Flache, linsenartige Wolken begleiten oft diese Wellenaufwinde. So gelang Hertrich der Einstieg in 200 Meter Höhe über Bad Berneck. Beim Weiterflug über Naila konnte er sogar mit 3000 Meter die erlaubte Obergrenze für Segelflug in Deutschland erreichen.


Der interessante Flug führte bei fast gleichbleibender Höhe weiter bis Schleiz und über Rudolstadt wieder zurück nach Bayreuth, weil inzwischen ein Regengebiet von Westen anmarschiert kam. Die langsamen Flüge der beiden Bayreuther und die fehlende dritte Wertung brachten allerdings keine gute Halbzeitwertung für die Bayreuther Mannschaft, wenngleich die direkten Verfolger noch weniger vorzuweisen hatten. Umso klarer war, dass der Sonntag als zweiter Tag der Runde entscheiden würde. In Norddeutschland, und damit auch bei den direkten Konkurrenten Rinteln und Burgdorf, waren versprachen die Vorhersagen gute Flüge. Das Fluggebiet der Bayreuther musste dagegen warten, bis die bedeckte Bewölkung abgezogen war - was die Meteorologen jedoch spätestens für Mittag versprachen.


Fünf Piloten fanden sich auf dem Bayreuther Flugplatz ein, um zu retten, was noch zu retten war. Doch die Wettervorhersage hielt wieder einmal nicht, was sie versprach. Viel zu langsam zog die Front von Nord nach Süd über Franken hinweg. Erst als um halb drei ein Vereinskamerad aus Forchheim erste Sonnenbilder per WhatsApp in die Bundesliga-Gruppe schickte, kam Hoffnung auf. Gegen 15 Uhr öffnete sich der Himmel und ließ Sonneneinstrahlung zu. Diese erzeugte dann aber sehr schnell gute Thermik in der labil geschichteten frischen Nordströmung. Auch gute Wolkenaufreihungen konnten die Piloten ausmachen. Schnell hintereinander starteten Friedhelm Lotte, Sebastian Baier, Farshad Nowrouz, Wolfgang Clas und Susanne Weisheit-Hertrich mit ihrem Mann Heiko im großen Doppelsitzer. Alexander Müller, der im sachsen-anhaltinischen Stendal zum Trainingstag der Deutschen Meisterschaften startete, war fernab der Heimat auch mit von der Partie.


Alle in Bayreuth Gestarteten ließen sich von einer schönen Wolkenstraße direkt nach Westen leiten. Bis Bamberg funktionierte dies auch sehr gut. Dort mussten Lotte und Baier allerdings mit ersten schwachen Aufwinden vorlieb nehmen. Nowrouz kehrte sogleich um, um wenigstens wieder nach Bayreuth zu gelangen. Clas trotzte der Aufwindlücke und setzte den Westkurs bis in die Rhön fort. Das Hertrich-Team änderte sogleich den Kurs und wollte die sichtbar höheren Wolken über dem Thüringer Wald ausprobieren. Nach kleineren Schwierigkeiten beim Einstieg in die ersten Anhöhen bei Suhl gelang aber ein schneller Flug ohne weitere Kreise in einem Aufwindband zwischen Suhl und Kronach, welches von dem Team zweimal beflogen wurde.



Susanne Weisheit-Hertrich, hier mit ihren Töchtern beim Internationalen Bayreuth-Wettbewerb 2016, ist am Sonntag als zweite Frau in deiser Saison in das Bundesliga-Team der LSG Bayreuth geflogen



Die Nachricht an die Kameraden kam aber zu spät, als dass es sich für sie noch lohnen würde, quer zu ihrem Kurs in den Thüringer Wald zu fliegen. So blieb es bei fast gleichen Durchschnittsgeschwindigkeiten für Lotte (84,1 km/h), Clas (86,6) und Baier (89,8). Das Hertrich-Team steuerte mit 103,7 km/h die schnellste Wertung bei.

Wie gut die Thüringer Linie beflogen werden konnte, zeigte der Lichtenfelser Jan Kretschmar, der mit einem früheren Start die gesamte Wertungszeit unter dieser Aufwindstraße zubringen konnte. Seine erreichten 140,3 km/h stellen die weitaus beste bundesdeutsche Leistung in dieser Runde dar.

Da auch Müller seinen Trainingsflug mit 100,2 km/h abschließen konnte, ergibt die Summe der drei besten Bayreuther aus den Flügen von Hertrich, Müller und Baier 293,7 km/h. Dies reicht als bester Südverein für Rundenplatz 9 und 12 Punkte für das Tabellenkonto.


Drei Wochen nachdem mit Manisha Große Verspohl erstmals seit fünf Jahren wieder eine Frau in der LSG-Wertung stand, schafft Weisheit-Hertrich es damit als zweite Frau in die gewertete LSG-Bundesliga-Mannschaft dieser Saison. Von ihr war auch die zuvor letzte gewertete Leistung einer Pilotin.

Die Rundensieger kommen wie erwartet alle aus Norddeutschland, wo das gute Wetter wesentlich früher Einzug hielt. Da der Tabellenzweite aus Burgdorf die Runde mit 334,2 km/h gewinnen kann, verkürzt sich der Vorsprung von Bayreuth (172 Punkte) von 19 auf 11 Punkte. Dritter ist nun der LSV Rinteln (152), der den Luftsportring Aalen (147) auf Platz vier verweist.


Das hervorragende Wetter über den Rocky Mountains hält nun schon die sechste Woche in Folge an. Wieder erzielen drei US-amerikanische Mannschaften die ersten drei Plätze der internationalen World-League. Erst auf Rundenplatz vier folgt mit Burgdorf der erste deutsche Verein. Weitere amerikanische und deutsche Zweitligisten aus dem Norden der Republik können sich vor Bayreuth schieben; die LSG erreicht somit nur Rundeplatz 17. Trotzdem reichen die dafür kassierten 24 Punkte aus, um Tabellenplatz zwei mit 281 Punkten zu halten. Der Abstand zu Tabellenführer und Rundensieger Moriarty Soaring aus New Mexico, USA (305 Punkte) hat sich aber auf 24 Punkte vergrößert. Burgdorf kann mit 256 Punkten noch Platz drei vor Rinteln (242) halten.