Mehr Stunden als in den ersten fünf Jahren meiner Fliegerkarriere!

Vereinsmitglied Clemens Pape über seine Flüge mit dem OLC-Förderflugzeug

Ferdinand Hauck
 

Ein Viertel – genau so viel beträgt die aktuelle Flugzeit auf dem OLC-Discus im Verhältnis zu meiner Gesamtflugerfahrung seit 2009. Addiere ich die ersten Jahre meiner etwas müde startenden Fliegerkarriere, bin ich schon jetzt in Summe etwa gleich viel geflogen wie in diesen ersten fünf Jahren zusammen. Mit dem OLC-Discus boten Wilfried Großkinsky und der Onlinecontest mir in den vergangenen Monaten außergewöhnlich gute Voraussetzungen, um viele Stunden in der Luft zu verbringen.

Das Jahr begann nach dem OLC-Symposium mit einigen Eingewöhnungsflügen bei herbstlicher Thermik, bevor sich die Segelflugsaison in den Winter verabschiedete. Die kalte Jahreszeit, weniger für prächtige Thermik, dafür jedoch umso mehr für seine Starkwindtage bekannt, wollte ich nicht ungenutzt lassen und wartete gespannt auf Wellen-, beziehungsweise Hangflugtage in den umliegenden Mittelgebirgen. Trotz dem für mich unbekannten Neuland der Wellenfliegerei gelang mir neben einem Wellenflug in Alkersleben am Thüringer Wald, ausgerechnet an meinem Geburtstag, am 28. November ein schöner Wellenflug im Schwarzwald.

Zusammen mit Chris Hiller von meinem Heimatflugplatz in Poltringen ausgehend, konnten wir bis an den Feldberg fliegen und abends dank hilfsbereiter Lotsen bis auf 5000 Meter steigen und über das Neckartal nach Hause gleiten. Einen ausführlichen Bericht zum Flug findest du auf meiner Homepage www.soaring.blog.Richtig losgehen sollte die Saison für mich allerdings in Südfrankreich. Die Provence und die Südfranzösischen Alpen bieten im Frühjahr meist sehr gute thermische Bedingungen. Während man sich in Deutschland noch vor den Kachelofen setzt und sich Gedanken über knackige Frühjahr-Thermik macht, können dort bereits hervorragende Bedingungen genutzt werden. Wie es so oft, spielt dann auch noch das Anfängerglück in die Karten. In zweieinhalb Wochen am Flugplatz Puimoisson konnte ich unbeschreibliche 100 Stunden fliegen und dabei ein atemberaubendes, für mich neues Fluggebiet erkunden. Ein beeindruckender Facettenreichtum machte meinen Fliegerurlaub zu einem tollen Erlebnis. Wer schon einmal dort war wird die Faszination mit Sicherheit teilen. Erste Flüge führten mich in näherer Umgebung zum Lure und Richtung Parcours. Die ausgezeichnete Wetterlage – man erlebt sie wohl nur etwa alle fünf Jahre in ähnlicher Qualität – ermöglichten schnell groß ausgedehnte Flüge bis an den Mont Blanc und weit darüber hinaus bis nördlich des Matterhorns, nahe des Luftraums Sion. Besonders faszinierend war für mich ein Flug über das Plateaux du Vercors, mit seinen steil in Richtung Grenoble abfallenden Hängen.
Insgesamt konnte ich dank stetiger Unterstützung der Sportsoldaten und deren Trainer sowie meinen Teamkollegen Chris Hiller und Moritz Althaus über 7000 Streckenkilometer sammeln und eine maximale Strecke von 754 km zurücklegen.

Nach den Erlebnissen im Gebirge, umgeben von Bergen, die die 4000-Meter-Marke überschreiten, freute ich mich auf Flüge im Flachland. Eine geschickte Studiengangwahl in einer charmanten fränkischen „Kleinstadt“ mit deutschlandweit bekannten, hervorragenden Segelflugbedingungen, bietet für große Streckenflüge exzellente Voraussetzungen. Das benachbarte Fichtelgebirge liefert oft schon morgens ab 8.30 Uhr zuverlässig Thermik und macht sehr frühe Starts möglich. Abends kann mit Glück die Strecke noch um einige Kilometer ausgedehnt werden, wenn letzte Wolken über dem Thüringer Wald kleine Konvergenzen bilden. Mittlerweile konnte ich in dieser Saison schon einige größere Flüge machen, davon zwei größer als 800 Kilometer. Bei meinem bis dato, mit knapp 12 Stunden, längsten Flug und nach dem Hammertag am 04.05.2016, punktzweithöchster Flug, schrammte ich mit 967 Kilometern nur knapp an der 1000er-Marke vorbei. Zum Glück ist die Saison noch lang ;-)

Clemens Pape


 
Clemens Pape - hier auf dem Bayreuth-Wettbewerb vor einem Förderflugzeug des Landesverbandes Baden-Württemberg