Rundenbericht 01/2018

Jahrhundertwetter für die Segelflieger zum Saisonbeginn

Ferdinand Hauck

Die erste Runde der neuen Bundesligasaison begann mit einem Knaller: Gleich vier Mannschaften aus Baden-Württemberg brachen den Allzeit-Rekord, der seit 2016 vom Aeroclub Braunschweig mit 442 Stundenkilometern gehalten wurde. Neuer Rekordhalter ist nun die Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd mit 488 km/h aus der Summe der drei schnellsten Piloten des Vereins. Neuer schnellster Ligapilot aller Zeiten ist der bisher unauffällige Michael Lange. Seine 165,5 km/h liegen in einem Bereich, des bisher nur von den schnellen US-Piloten über den Rocky Mountains erreicht wurde.

Mit großem Elan gingen am Samstag auch die Bayreuther Segelflieger an den Start zur ersten Runde. Leider waren die überragend guten Aufwindlinien der Schwäbischen Alb für die Piloten der Luftsportgemeinschaft nicht erreichbar. Der Wetterbericht prognostizierte am Morgen ebenfalls sehr gute Flugbedingungen über dem Thüringer Wald, dem Erzgebirge und der Oberpfalz, so dass die Piloten auch keine Ambitionen hatten, bis in das südliche Baden-Württemberg zu fliegen.

Mit acht Flugzeugen konnte wieder die bewährte Bayreuther Taktik zum Zuge kommen, dass verschiedene Regionen auf der Suche nach der besten Thermik ausprobiert werden. So starteten Clemens Pape und Lothar Schmidt als Erste in der Mittagszeit, um den besten Weg zum Thüringer Wald zu finden. Anfänglich lief dies auch gut, weshalb Friedhelm Lotte und Heiko Hertrich ebenfalls in diese Richtung folgten. Kurz darauf startete Nachwuchspilot Stefan Unterburger im Hochleistungs-Doppelsitzer des Vereins mit seinem Fluglehrer Martin Brühl auf dem Rücksitz zu einer Überlandflugeinweisung. Sie schlugen versuchsweise eine neue Richtung ein und hatten bis Weiden auch Erfolg. Fast kreislos konnten sie guten Energielinien folgen und meldeten dies auch den Kameraden. Andreas Baier folgte über das Fichtelgebirge und dem Steinwald der Aufwindstraße und konnte erkennen, dass diese gute Linie bis weit nach Tschechien hineinreicht.

Nachdem sich die Aufwinde im Thüringer Wald als nicht so gut herausgestellt haben, wie vorhergesagt, kehrten die sich dort befindlichen Bayreuther der Reihe nach um. Allerdings war es für Pape und Schmidt schon zu spät für neue Versuche. Als sie Bayreuth wieder erreichten, beschlossen beide zu landen.

Der inzwischen gestartete Georg Baier nutzte derweilen die thermisch gut entwickelte Fränkische Schweiz und sein in Rudolstadt gestarteter Bruder Johannes Baier versuchte sich nördlich des Thüringer Waldes. Jedoch gelang es außer Andreas Baier und dem Team Unterburger/Brühl nur Lotte und Hertrich in die Aufwindautobahn des Oberpfälzer Waldes einzusteigen. Kreislos ging es oft mit Fluggeschwindigkeiten über 200 km/h bis ins 110 Kilometer entferne Staňkov in Tschechien und zurück. Mit absoluten 153,3 km/h erzielte Andreas Baier die beste Bayreuther Leistung seit über einem Jahrzehnt. Durch den guten Typenindex seines Flugzeugs JS1 wird die Geschwindigkeit für die Bundesligawertung auf 129,91 herunter gerechnet. Lotte (119,4) und Hertrich (115,5) erzielten die weiteren Wertungen für die Mannschaftleistung. Aber auch das Schüler-Lehrerteam stand mit 114,3 km/h kaum nach. Der Lerneffekt für Stefan Unterburger dürfte gewaltig gewesen sein!

Die Zwischenwertung war für Bayreuth akzeptabel. Mit 364,8 km/h belegte man Platz 5 hinter den schnellsten Mannschaften aus Baden-Württemberg. Andreas Baier markierte mit der zweitschnellsten Geschwindigkeit in Deutschland die Bayreuther Ambitionen, in der neuen Saison vorne mit dabei zu sein. Auch am zweiten Tag der Runde versuchten wieder viele Bayreuther die Flugleistungen des Vortages zu verbessern.

Leider lagen die Meteorologen in zwei Regionen falsch: Für das nördliche und östliche Bayern war es wieder sehr gut vorhergesagt. Die Erfahrung der Piloten in der Luft ließ aber schon nach einer Stunde Flugzeit erahnen, dass keine Verbesserung zum Vortag möglich sein würde. Zu oft waren die tragenden Linien unterbrochen und die Flugzeuge mussten immer wieder kreisen in den Aufwindschläuchen Höhe tanken, um vorwärts zu kommen. Dies kostete aber zu viel Zeit. Die andere Region war die Schwäbische Alb, die zwar auch gut prognostiziert wurde, aber sich noch viel besser entwickelte als vermutet werden konnte.

Alle acht dort ansässigen Vereine der ersten Liga jubelten nach den Landungen über diese Jahrhundertwetterlage. Zusätzlich gelang es noch den Piloten aus Donauwörth und Eichstätt auf die Schwäbische Alb zu fliegen. Diese 10 Mannschaften liegen damit auch vor Bayreuth und die LSG muss sich als Bester des Rests mit dem 11. Platz und 10 Punkten begnügen.

Nach der ersten Runde führt als die Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd die deutsche Erstligatabelle sowie die World-League vor dem Titelverteidiger Luftsportring Aalen und der Fliegergruppe Blaubeuren an. Die bayerischen Konkurrenten aus Schwandorf (Platz 13), Königsdorf (14.), Aufsteiger Lichtenfels (15.), Bamberg (17.) und Ansbach (18.) finden sich ebenfalls im Mittelfeld der 1.Liga. Auch in der 2. Liga und der Quali-Liga werden alle vorderen Plätze von den schwäbischen Mannschaften belegt. Weil viele dieser Mannschaften auch in der eingleisigen World-League vor Bayreuth liegen, kann Bayreuth dort nur mit einem 23. Platz die Saison eröffnen.