Rundenbericht 02/2018

Bayreuther Bundesligapiloten erobern Platz 2

Ferdinand Hauck

Ein zweiter Rundenplatz für die Luftsportgemeinschaft Bayreuth überraschte die heimische Mannschaft genauso wie die Konkurrenz aus Baden-Württemberg. Eigentlich prognostizierte die Wettervorhersage wieder sehr gute Aufwinde über der Schwäbischen Alb.

Tatsächlich beherrschten in der Zwischenwertung des ersten Tages die Alb-Piloten die Ergebnisliste. In Bayreuth mussten alle Gestarteten in schwacher und durch den starken Ostwind sehr zerrissener Thermik bald wieder aufgeben. Kein einziger Flug konnte in die Wertung übernommen werden.

Auch der Sonntag begann ähnlich. Blauer Himmel mit viel Sonneneinstrahlung reicht alleine nicht, um die notwendigen Aufwinde zu erzeugen. Kalter und starker Wind behinderte die Bildung der warmen Luftblasen. Doch als plötzlich am späten Nachmittag doch noch vereinzelte Wolken über dem Fichtelgebirge den Aufstieg der Warmluftblasen anzeigten, beeilte sich die Mannschaft auf dem Flugplatz. In kurzem Abstand starteten fünf Piloten fast gleichzeitig, um die letzte kleine Chance zu nutzen. Entscheidend war der erste Aufwind. Friedhelm Lotte konnte diesen nach zwei Startversuchen nicht finden und gab entnervt auf. Dazwischen gelang es nach einem Windenstart nur Heiko Hertrich einen Anschluss an die Aufwinde im Fichtelgebirge zu finden. Andreas Baier, Alexander Müller und Wolfgang Clas gelangten mit Motorhilfe zur ersten guten Thermik und konnten dann auch sofort in Richtung Bischofsgrün abfliegen. Von dort ab bildete sich nun sogar eine Wolkenaufreihung, die sich überraschender Weise bis an den Horizont erstreckte. Müller, Clas und Baier mussten sich nur noch einmal in größere Höhen schrauben, um dann kreislos und mit hoher Geschwindigkeit an Selb und Karlsbad vorbei bis zum Fichtelberg im Erzgebirge zu fliegen. Auch Hertrich folgte kurz darauf der gezeichneten guten Spur, die bald darauf von allen Piloten zweimal hin- und zurück geflogen wurde.

Da diese Wolkenlinie die einzig gute Aufwindstraße im Umkreis von mehreren hundert Kilometern war, zog diese natürlich viele weitere Segelflieger aus der Umgebung an. Es ging in der Luft zu wie auf einer Autobahn. In allen Höhenbereichen waren Segelflugzeuge schnell unterwegs. Höchste Aufmerksamkeit war von den Piloten gefordert, um Kollisionen zu vermeiden. Müller holte etwas weiter nach Osten aus als alle anderen, was sich am Abend als goldrichtig erwies. Obwohl die Wolkendichte hinter Oberwiesenthal deutlich abnahm, konnte Müller seine hohe Geschwindigkeit halten. Baier und Hertrich kehrten beim ersten Mal zu früh um.

Alexander Müller hat das kleine Zeitfenster am Sonntag so optimal getroffen, dass er mit 118,34 km/h den schnellsten Wertungsflug dieser Runde in Europa geschafft hat.


Dies machte sich eklatant am Ende der Wertungszeit bemerkbar, als beide schon wieder zurück in Bayreuth waren und die Wertungszeit für die maximal erlaubten vier Flugschenkel noch nicht beendet war. Nun mussten sie entscheiden. Entweder mit Risiko und einem starken Rückenwind den letzten Schenkel strecken und weiter nach Westen fliegen, die Wertungszeit von 2:30 Stunden also voll ausnutzen, aber mit dem hohen Risiko, dass es nicht mehr zurück nach Bayreuth reichen könnte, oder die sichere Variante wählen und ein paar Minuten verschenken, um gut wieder zurück zu kommen.

Diese Überlegungen sind seit der Saison 2018 sehr wichtig geworden, weil eine Regeländerung eine Rückkehr zum Ausgangsflugplatz erfordert, um eine gültige Wertung zu bekommen. Die Entscheidung fiel kurz vor Hollfeld für die sichere Version. Beide beendeten ihren Flug nach 2:24 Stunden und verloren dadurch sechs Minuten, was ungefähr 4 km/h entspricht. In die Wertung konnte Baier schließlich 92,0 km/h und Hertrich 99,5 aufnehmen. Clas setzte seine Wendepunkte etwas besser und erzielte 101,3 km/h. Müller setze mit 118,3 km/h die beste Leistung Deutschlands für diese Runde in die Luft. Nur drei Piloten in den USA waren etwas schneller.

Die Summe der drei schnellsten Piloten von 319,2 km/h reicht für einen unerwarteten zweiten Rundenplatz, welcher auch eine Verbesserung auf den zweiten Tabellenplatz in der Bundesliga hergibt. Sieger wurde der amtierende Deutsche Meister aus Aalen mit 326,6 km/h. Bis Platz 7 folgen weitere Mannschaften aus dem südlichen Baden-Württemberg. Ansbach meldet sich mit Platz 8 erstmalig in dieser Saison auf den vorderen Plätzen, genauso wie Aufsteiger Lichtenfels auf Platz 9. Die Tabelle führt weiterhin Aalen mit 51 Punkten an, gefolgt nun von Bayreuth (47 Punkte) und Schwäbisch Gmünd (44).

International können sich erstmals US-Vereine ganz oben platzieren. Black Forest Soaring aus Colorado auf Rundenplatz 1 legt 381,4 km/h vor, gefolgt von Moriarty Soaring aus Arizona (365,0) und dem Tucson Soaring Club, ebenfalls aus Arizona (328,1). Dahinter folgen schon Aalen und Bayreuth. Durch die andere Bepunktung in der World-League, steht Bayreuth mit 84 Punkten ebenfalls auf Rang zwei - dort sogar punktgleich mit Tabellenführer Aalen. Moriarty (76 Punkte) folgt auf Platz 3 vor Schwäbisch Gmünd (69) und der punktgleichen Soaring Society of Boulder aus Colorado.