Rundenbericht 03/2018

Lichtenfelser Aufsteiger düpieren Bayreuther Routiniers

Ferdinand Hauck

Trotz gutem Segelflugwetter stellt ein siebter Rundenplatz für die Bundesligapiloten der Luftsportgemeinschaft Bayreuth ein enttäuschendes Ergebnis dar. Vor allem weil die unmittelbaren Konkurrenten aus der Nachbarschaft wesentlich bessere Ergebnisse erreichten. Horst Singer vom Aero Club Bamberg erzielte mit 133,3 km/h sogar das beste Einzelresulat weltweit und hob seine Mannschaft mit 365,1 km/h auf den dritten Rundenplatz in Deutschland und international. Noch besser waren die Aufsteiger aus Lichtenfels. Sie erzielten große Beachtung durch ihren ersten Rundensieg in der 1. Liga und in der World-League mit 373,8 km/h.

Bayreuth muss sich dagegen mit 331,5 km/h begnügen, obwohl die Piloten aller drei Vereine im gleichen Wetterraum zwischen Weiden und Erfurt unterwegs waren. Die Bayreuther Alexander Müller, Wolfgang Clas und Lothar Schmidt waren zu früh gestartet und entlang des Thüringer Waldes Richtung Nordwesten geflogen. Eigentlich war die Wettervorhersage klar: Die Gebiete um die Rhön und in Nordhessen sollten die beste Thermik garantieren. Genau dorthin flogen die drei Bayreuther, berichteten über Funk an die später Gestarteten aber das Gegenteil. Schwache, schwer zu findende Aufwinde und zusätzlich Luftturbulenzen bedeuteten keinen schnellen Bundesligaflug.

So orientierten sich Heiko Hertrich, Andreas Baier und Friedhelm Lotte eher in Richtung Oberpfalz. Auch Schmidt drehte um und bevorzugte nun auch die vermeintlich besseren Bedingungen in Oberfranken. Müller und Clas setzten ihren Flug nach Süden fort, mussten aber schon im Odenwald aufgeben und zurück nach Bayreuth fliegen. Nun hatten die Bayreuther keinen Spion mehr in den vorhergesagten guten Gebieten nördlich der Rhön und flogen deshalb nur bis in den südlichen Thüringer Wald. Es stellte sich eine gute Linie aufströmender Luft ein, die den Piloten schnelle Geradeausflüge ermöglichte. Zusätzlich wurde dieser tragenden Linie von den im Fichtelgebirge entstehenden Gewittern Energie zugeführt.

Mehrfach flogen die Bayreuther und auch viele andere Piloten diese Linie zwischen Rudolstadt und dem Fichtelgebirge auf und ab. Kein Bayreuther dachte daran, diese schöne Aufwindstraße zu verlassen. Im Gegenteil, sogar Alexander Müller schloss sich nach seiner Rückkehr aus dem Westen den vorausfliegenden Seglern an und versuchte nochmal eine Bundesligawertung zu erzielen, war aber mit 102 km/h etwas zu langsam. Bester Bayreuther war Hertrich (117,4 km/) vor Baier (111,1) und Lotte (103,0).

Nahezu geschockt war man am Abend in Bayreuth über die wesentlich schnelleren Schnittgeschwindigkeiten der Nachbarn. Dachte man doch an die eigenen überraschend schnellen Flüge entlang der dunklen Wolkenbank. Eine Analyse der verschiedenen Flugwege brachte aber gleich die Begründung: Nachdem Müller, Clas und Schmidt das anfänglich schlechte Gebiet im nördlichen Thüringer Wald verlassen hatten, stellten sich dort die prognostizierten sehr guten Aufwinde doch noch ein. Genau zu dieser Zeit erwischten die etwas später gestarteten Bamberger und Lichtenfelser Piloten diese Thermiklinien und konnten damit ihre hohen Geschwindigkeiten erzielen. Zu dieser Zeit hatten die Bayreuther sich mit den ebenfalls guten, aber etwas langsameren Bedingungen in Oberfranken abgefunden und sahen keine Veranlassung nochmals weit nach Nordwesten zu fliegen.

Mit den 14 Punkten für Rundenplatz sieben fällt Bayreuth wieder auf den dritten Tabellenplatz mit 61 Punkten zurück. Aalen konnte über der Schwäbischen Alb ebenfalls gut punkten, führt mit 68 Punkten weiterhin die Tabelle an. Auch Schwäbisch Gmünd nutzte die Alb für einen zweiten Rundenpatz und liegt mit 63 Punkten wieder knapp vor Bayreuth. Lichtenfels (51 Punkte) kann sich als bester Aufsteiger auf Platz vier verbessern.

Ähnlich sieht es in der World-League aus, nachdem die Wetterverhältnisse in den USA den größten Konkurrenten dort keine guten Ergebnisse ermöglicht haben. Bis Rundenplatz fünf ist das Ergebnis gleich der deutschen Bundesligawertung. Dann können sich Zweitligisten und internationale Vereine platzieren, bevor sich Bayreuth mit dem 10. Platz begnügen muss. Damit sieht die Tabelle nun Aalen (121 Punkte) als alleinigen Tabellenführer und Bayreuth (115) auf Platz zwei, gefolgt von Schwäbisch Gmünd (108), Blaubeuren (85) und dem deutschen Zweitligisten SFG Steinwald aus Erbendorf (88).