Rundenbericht 06/2017

Samstags Tabellenführung, Sonntags nur noch ein Punkt

Ferdinand Hauck

Ein Wechselbad der Gefühle mussten die Piloten der Luftsportgemeinschaft Bayreuth über sich ergehen lassen. Die Runde 6 der Segelflug-Bundesliga stellte sich zweigeteilt dar. Am Samstag traten acht Piloten an und konnten mit großem Erfolg abschließen. Sonntags war dieser schon nichts mehr wert.

Heiko Hertrich, Wolfgang Clas und Friedhelm Lotte flogen am ersten Tag Schnittgeschwindigkeiten zwischen 92 und 98 Stundenkilometern. Hocherfreut sahen sie abends die Halbzeitbilanz, wo Bayreuth zwischenzeitlich auf dem vierten Rundenplatz und wieder an der Tabellenspitze mit zwei Punkten Vorsprung auf Donauwörth angelangt war.

Doch der Sonntag sollte laut Wettervorhersage des Deutschen Wetterdienstes noch bessere Aufwinde bringen. Deshalb fanden sich gleich 11 Bundesligapiloten ein, um den Zwischenstand zu halten oder sogar noch zu verbessern. Schon vor 9 Uhr startete Alexander Müller zu einem Langstreckenflug. Kurz darauf wollten es auch Clemens Pape und Johannes Baier wissen.

Als klar war, dass die versprochenen Aufwinde schon so früh funktionierten, folgte gleich ein ganzer Schwarm von Segelflugzeugen. Doch schon um die Mittagszeit fing der Himmel an, sich zu verdunkeln. Eine leichte Inversionsschicht schob sich über Franken und die Oberpfalz. Diese Schicht ließ die schönen Aufwind anzeigenden weißen Cumuluswolken auseinander laufen und bremste so die Sonneneinstrahlung. Alle gegen Mittag gestarteten Flugzeuge hatten keine Chance mehr, in das gute Wetter weiter im Westen und Süden zu fliegen.

So blieb die Hoffnung, dass alle Langstreckler einen guten Flugschenkel mit hohen Geschwindigkeiten für die Bundesligawertung erzielen können. Doch nach und nach zeigten die Auswertungen, dass wohl niemand die Schnitte vom Samstag verbessern wird können, obwohl manche Piloten bis in die Rheinebene vordrangen. Lothar Schmidt und Martin Brühl flogen sehr schnell unter guten Aufwinden weit nach Westen und wendeten erst über dem Hockenheimring. Leider bekamen aber beide Probleme auf der Strecke zurück nach Bayreuth, was die Schnittgeschwindigkeit auf unter 90 km/h sinken ließ.

Noch weiter schafften es Müller, Pape und Wolfgang Clas, die zuerst bis Kassel flogen und es dann auf Südkurs bis tief in den Schwarzwald schafften. Jedoch gelang dabei nur Müller mit 100,43 km/h eine Verbesserung der Mannschaftsleistung. Zusätzlich knackte er mit diesem 11-stündigen Flug auch wieder einmal die magische 1000 Kilometer Marke.


Heiko Hertrich, hier vor seinem Start am Sonntag, ging an beiden Tagen in die Luft. Trotzdem konnte auch er seinen Flug vom Samstag nicht mehr verbessern, obwohl das Wetter besser vorhergesagt war.


So musste sich Bayreuth mit den Flügen von Müller und den beiden samstäglichen Flügen von Hertrich und Clas mit 293,8 km/h begnügen. Was dies in der Rundenwertung bedeutete, zeigte sich im Laufe des Abends. Laufend aktualisierte sich die Liste im Internet mit immer schnelleren Flügen der Erstligisten. Bayreuth rutsche von Minute zu Minute weiter ab. Schlussendlich blieb ein sehr enttäuschender 27. Rundenplatz mit nur einem Punktgewinn übrig. Noch nie lag ein Verein mit fast 300 km/h so weit hinten in der Wertung. Dies zeigt, wie gut und großflächig die Aufwindbedingungen überall sonst in Deutschland gewesen sein müssen. Aber auch, wie knapp es in der ersten Liga zugeht. So hat der Rundensieger aus Donauwörth mit 339,8 km/h zwar keinen überragenden Vorsprung erflogen, kann aber 20 Punkte kassieren. Jeweils nur wenig langsamer landen Gifhorn aus Niedersachsen und der FCC Berlin auf den Plätzen. Obwohl die sehr guten Gebiete entlang der Schwäbischen Alb und im Fläming durchaus in Reichweite der Bayreuther Piloten waren, wurden diese Gebiete leider nicht als die besten erkannt und angeflogen. Gleiche Probleme und ebenfalls schockiert zeigten sich die Bamberger, die mit 269 km/h nur Vorletzter wurden, sowie der dritte fränkische Erstligist aus Ansbach, der nach seiner hervorragenden samstäglichen Rundenführung mit 328,9 km/h noch bis auf Platz 8 durchgereicht wurde. Damit steht Ansbach noch immer auf einem Abstiegsplatz in der Tabelle. Bayreuth muss ebenfalls bluten und fällt mit 55 Punkten auf Rang 5 zurück. Tabellenführer Donauwörth baut den Vorsprung auf 76 Punkte aus, vor Burgdorf (64) und Gifhorn (62). International punkten erneut zwei Mannschaften aus den USA mit hervorragenden Schnittgeschwindigkeiten. Minden (390 km/h) und Moriarty (371) setzen sich vor Donauwörth und kassieren 40 bzw. 39 Punkte. Für Bayreuth bleibt auf Rundenplatz 66 wieder nur ein Trostpunkt. Die Tabelle zeigt noch viel Dynamik. Jetzt führt Donauwörth mit 115 Punkten knapp vor Stadtlohn, Burgdorf und Gifhorn (alle 111 Punkte). Bayreuth fällt auf Platz 15 mit 81 Punkten zurück.