Rundenbericht 07/2017

Ferdinand Hauck

Eine Wiederholung der Ereignisse vom letzten Wochenende befürchteten die Bundesligapiloten der LSG Bayreuth in der siebten Runde. Zur Halbzeit am Samstagabend stand die Mannschaft auf Platz eins und musste Sonntag erneut zuschauen, wie die Konkurrenten im besseren Wetter punkten konnten. Wäre da nicht Lothar Schmidt gewesen, der mit einem Husarenritt Bayreuth noch auf Rundenplatz 5 halten konnte. Die dafür kassierten wertvolle 16 Punkte erhöhen das Konto der LSG auf 71 Punkte, was den vorläufigen Tabellenplatz 4 bedeutet.

Schon für den Samstag sagten die Meteorologen schwierige Warmluftverhältnisse voraus. Nur wenige Wolken sollten über den östlichen Mittgelgebirgen entstehen und den Piloten die begehrten Aufwinde anzeigen. Wieder ermöglichten viele Bayreuther Teilnehmer eine Verteilung auf verschiedene Gebiete. Alexander Müller, Wolfgang Clas und Clemens Pape starteten als Erste und versuchten sofort Richtung Bayerischer Wald zu kommen. Alle drei wurden durch verlockende Wolken zuerst nach Tschechien gezogen. Dort waren die Aufwinde aber nur schwer zu finden und zudem nicht konstant. Erst östlich des Großen Arber besserten sich die Flugbedingungen. Pape konnte nur knapp über dem Boden eine Außenlandung verhindern und verlor dabei viel Zeit. Da es aber noch genügend Zeit für eine gültige Bundesligawertung gab, entschloss er sich den vorausfliegenden Müller und Clas zu folgen. Bis nördlich Linz führte dabei der Flugweg und stellte sich als immer besser werdend dar. Alle drei beschlossen deshalb diese gute Linie zwischen Arber und Linz nochmals zu nutzen, bevor es wieder auf den langen Weg zurück nach Bayreuth gehen sollte.

Friedhelm Lotte und Heiko Hertrich wollten ebenfalls zuerst den Bayerischen Wald erreichen, aber auch die Probleme in Tschechien vermeiden. Dafür schlugen sie den Weg über das Naabtal nach Süden ein. Leider hörte die Wolkenbildung schon kurz hinter Weiden auf. Da inzwischen Martin Brühl und Sebastian Baier eine recht gute Aufwindlinie nach Norden gefunden hatten, beschlossen Lotte und Hertrich umzukehren und ebenfalls Richtung Thüringer Wald zu fliegen.

Dies stellte sich als goldrichtig heraus. Ab Sonneberg bildeten sich prächtige Cumuluswolken in großer Höhe über dem gesamten Thüringer Wald bis Eisenach. Neben dem Bayerischen Wald sollten diese Wolken die einzigen in ganz Deutschland an diesem Tag sein. Schon von Weitem waren sie zu sehen und alle Segelflieger im Umkreis von über 100 Kilometern versuchten den Einstieg in diese Aufwindstraße. Die Bayreuther Piloten wollten diese Linien mehrfach für eine schnelle Bundesligawertung zu nutzen. Weil diese Taktik aber auch viele andere Segelflugzeuge anwendeten, wurde es zeitweise sehr eng. Manchmal flogen geschwadergleiche Formationen mit über 200 Stundenkilometern nebeneinander her. Hertrich berichtete einmal von über 30 Flugzeugen, die kreisend gleichzeitig einen starken Aufwind nutzen. So war er froh, dass seine Tochter Ylva auf dem Copilotensitz auch die Augen aufhalten konnte.

Der Heimweg nach Bayreuth stellte sich bei diesen Bedingungen als problemlos dar. Alle Bayreuther erzielten gute Schnittgeschwindigkeiten über 92 km/h. Die drei Schnellsten gehen in die Mannschaftswertung ein und erzielten mit den Flügen von Pape (108,5 km/h), Müller (104,8) und Brühl (99,9) zur Halbzeit Rundenplatz 1.

Der Sonntag war von weiterhin einfließender Warmluft gekennzeichnet. Diese Warmluft führt meist zu spät einsetzender Thermik, die dann oft auch inkonstant und schwach ist. Zudem bleibt es überwiegend blau und wolkenlos. Alle Bayreuther waren noch recht geschafft vom anstrengenden Vortag und verzichteten deshalb auf einen Start. Nur Lothar Schmidt, der Samstags nicht in der Luft war, machte sein Flugzeug fertig, um zumindest einmal die Aufwinde zu probieren. Sein Flug führte ihn zuerst über das Fichtelgebirge nach Nordosten und dann Richtung Zwickau und Chemnitz. Über den ersten Hügelketten des Erzgebirges bildeten sich plötzlich einige Wolken, die Schmidt auch sehr gute Aufwinde anzeigten. Mit 3 Meter pro Sekunde ging es nach oben bis 2.000 Meter über Grund. Später musste Schmidt gar nicht mehr kreisen um Höhe zu gewinnen, sondern konnte über 200 Kilometer geradeaus fliegen. Seine Bundesligaleistung bezifferte sich auf 107,6 km/h und verbesserte das Bayreuther Rundenergebnis auf 320,9 km/h.

Schneller konnten diesmal nur vier Vereine aus dem Süden Deutschlands fliegen. Der Rundensieger kommt aus Königsdorf. Den dortigen Piloten gelangen sehr schnelle Flüge zwischen Bad Tölz und St.Moritz/Schweiz. Die erzielten 368,4 km/h reichen sogar für den internationalen Rundensieg in der World League gegen die amerikanischen Vereine aus Moriarty/New Mexico (357,2) und Minden/Nevada (349,9).

Die Mannschaften auf den Bundesligaplätzen 2 bis 4 flogen über dem Schwarzwald und der Schwäbischen Alb. Ärgerlich für Bayreuth ist die Leistung des Luftsportring Aalen, die nur 0,06 km/h besser ist. Die weiteren fränkischen Erstligisten konnten erneut gegen Bayreuth nicht mithalten. Bamberg erzielt mit 276,9 km/h Rundenplatz 13 und Ansbach (286,0) Platz 11. Noch immer steht Ansbach damit auf einem Abstiegsplatz.

Die Tabelle sieht weiterhin Donauwörth mit 83 Punkten in Führung, gefolgt von Aalen (75) und Königsdorf (73). Mit 71 Punkten knapp dahinter Bayreuth auf Platz 4. Die World-League sieht Bayreuth auf einem guten Rundenplatz 8 und mit insgesamt 114 Punkten auf Tabellenplatz 7. Leider fehlen schon 27 Punkte auf den Tabellenführer, die Fliegergruppe Wolf Hirth aus Kirchheim/Teck, aber die Abstände bis Platz 4, den Königsdorf mit 116 Punkten hält, sind sehr knapp.