Rundenbericht 07/2018

Bayreuther Segelflieger erreichen 326 km/h

Ferdinand Hauck

Kaum hat die Luftsportgemeinschaft Bayreuth erfolgreich die Bayerischen Meisterschaften auf dem Bindlacher Berg abgeschlossen und alle Aufräumarbeiten bewältigt, kann die Bundesligamannschaft eine weitere gute Runde verbuchen. Mit einem vierten Platz bleiben die Oberfranken Tabellenführer Aalen dicht auf den Fersen.

Dies gelang mit der bewährten Bayreuther Strategie der bestmöglichen Verteilung der Flugzeuge auf verschiedene Gebiete. Da die Wettervorhersage im Prinzip großräumig gut war, wollte Teamchef Andreas Baier kein Risiko eingehen und verteilte seine Piloten gleichmäßig zwischen Thüringer Wald und Schwäbische Alb. Lothar Schmidt und Friedhelm Lotte wollten es vorrangig im Thüringer Wald versuchen. Wolfgang Clas plante einen Flug im Uhrzeigersinn um die Luftsperrgebiete von Grafenwöhr, Hohenfels und Nürnberg herum. Heiko Hertrich probierte das gleiche, aber entgegen dem Lauf der Uhr. Für Baier selbst blieb dann das Ziel Bayerischer Wald. Alexander Müller konzentrierte sich wie so oft bei solchen guten Wetterprognosen auf einen Langstreckenflug.

Schon um 8:30 Uhr startete er und begann in der noch sehr schwachen Thermik sein Vorhaben Richtung Regensburg und von dort nach Stuttgart, welches ihn erst nach über 12 Stunden Flugzeit und fast 1200 Kilometern wieder zurück nach Bayreuth brachte. Dies bedeutete für Müller zwar die weltweite Führung in der Tageswertung der Langstreckenflüge, dass er dabei aber auch einer der drei besten Bayreuther nach der Bundesliga-Wertung ist, hat Seltenheitswert. In dieser Runde war es aber soweit: Müller erreichte als "Nebenprodukt" seiner 1.195-km-Strecke immerhin 107,7 km/h Liga-Wertung in den schnellsten 2,5 Stunden.

Mit 108,0 km/h war Andreas Baier auf einer Linie von Straubing zurück nach Bayreuth und weiter nach Suhl etwas schneller unterwegs. Die Bayreuther Bestleistung erzielte Friedhelm Lotte mit 110,6 km/h bei seinem Jojo-Flug zwischen Suhl und Weiden. Problemlos konnte er den guten Aufwindlinien folgen und immer in größerer Höhe bis zu 2000 Meter über Grund bleiben. Alle anderen Bayreuther mussten sich kleine Fehler beim Auffinden der nicht so einfach strukturierten Thermik abseits der Mittelgebirge eingestehen. Oft fehlte ihnen nach langen Gleitstrecken einfach das Glück, in niedriger Höhe einen starken Aufwind schnell zu finden.

„Genau deshalb ist es wichtig, mit mehr als nur der Mindestmannschaftsstärke von drei Piloten in der Luft zu sein“, betonte Teamchef Baier wiederholt, „jeder macht mal einen Fehler oder hat kein Glück. Dann müssen die Anderen einspringen können!“

Diese Strategie hat sich bei einer Mannschaftleistung von 326,3 km/h mit dem vierten Rundenplatz und weiteren 17 Punkten ausgezahlt. Rundensieger wurde die Fliegergruppe Blaubeuren mit 342,7 km/h vor Aalen (333,2) und Schwandorf (331,5). Auch die anderen Topvereine aus den oberen Tabellenplätzen konnten gut punkten und deshalb keine großen Verschiebungen zulassen. Aalen führt weiterhin mit 105 Punkten die Tabelle an. Zweiter ist Bayreuth (101) vor Lichtenfels (93), Schwäbisch Gmünd (82), Bamberg und Schwandorf (beide 76).

International kann sich der Minden Soaring Club aus Nevada mit 392,2 km/h auf Rundenplatz 1 und der Räyskälä Aero Club aus Finnland auf Platz 3 setzen. Alle anderen Platzierungen entsprechen der Reihenfolge der 1. Bundesliga. Bayreuth bekommt somit für Rundenplatz 6 noch 35 Punkte und kann sich in der World-League-Tabelle auf Platz 2 mit nun 189 Punkten etwas von den Verfolgern absetzen. Auch hier liegt Aalen mit drei Punkten Vorsprung auf Platz 1. Die Segelfluggruppe Steinwald aus Erbendorf kann sich als bundesdeutscher Zweitligist noch immer auf Platz 3 mit 171 Punkten vor Erstliga-Aufsteiger Lichtenfels (148) halten. Mit Schwandorf auf Platz sechs und Bamberg auf Rang neun tummeln sich momentan fünf Vereine aus Nordostbayern in den Top Ten der Weltliga.