Rundenbericht 11/2018

Bis an die Elbe geflogen

Ferdinand Hauck

Die elfte Runde der Segelflug-Bundeliga wurde durch ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mitteleuropa gekennzeichnet, welches den Piloten bundesweit annähernd gleiche Flugbedingungen bescherte. War am Samstag noch der Süden der Republik etwas bevorzugt, konnte der Norden am zweiten Tag kräftig aufholen. Die Luftsportgemeinschaft musste in der Zwischenwertung mit nur einem erzielten Punkt noch einen großen Rückstand hinnehmen, konnte aber den Sonntag durch schnelle Flüge Richtung Dresden optimal nutzen und sich auf den siebten Rundenplatz verbessern.

An beiden Tagen war es nicht einfach für die Bayreuther. Starker Wind und keine Aufwind anzeigenden Wolken erforderten viel Fingerspitzengefühl beim Steuern der Segler. Friedhelm Lotte und Heiko Hertrich flogen deshalb an beiden Tagen im engen Teamflug und halfen sich immer wieder gegenseitig die Thermik zu finden.

Mit einem frühen Start und dem anfänglichen konsequenten Flug gegen den Nordostwind verschafften sie sich vor allem am Sonntag so die beste Ausgangslage für die Bundesliga-Wertungszeit. Bis zum Elbdurchbruch im Nationalpark Sächsische Schweiz südlich von Dresden führte der erste Teil ihres Fluges, bei dem sie über dem Erzgebirge auch die Cumuluswolken zum Auffinden der Aufwinde nehmen konnten. Unter ihnen erzielten die beiden auch ihre größte Höhe von 2400 Meter über dem Meeresspiegel und konnten den schnellen Rückflug nach Bayreuth mit Rückenwindhilfe beginnen.

Die Fluglotsen von Karlsbad genehmigten einen Durchflug der dortigen Sperrgebiete, so dass Lotte und Hertrich den optimalen Aufwindlinien folgend schnell wieder das Fichtelgebirge erreichten. Ein anschließender kurzer Gegenwindschenkel zurück nach Karlsbad und der folgende letzte Schenkel mit dem Wind bis kurz vor Bamberg optimierte die Wertungsgeschwindigkeit auf 109,7 (Lotte) und 108,3 km/h (Hertrich).


Friedhelm Lotte, hier am Samstag über der Oberpfalz, war mit 109,65 km/h der schnellste Bayreuther Pilot.


Lothar Schmidt folgte einer ähnlichen Strategie, konnte aber nicht immer die richtigen Energielinien finden und musste sich deshalb mit 92,7 km/h zufriedengeben. Ebenso erging es Andreas Baier, der durch einen zu frühen Start zu bald im Erzgebirge ankam. Die Aufwinde hatten sich noch nicht richtig gut entwickelt, weshalb Baier schon am Fichtelberg wendete und den Rückflug nach Bayreuth antrat. Später entschloss er sich dann noch nach Südwesten bis östlich des Großen Arbers im Bayerischen Wald zu fliegen, weil auch für diese Gegend eine gute Wettervorhersage starke Aufwinde versprach. Obwohl Andreas Baier damit fast 800 Kilometer Flugstrecke erzielte, konnte er nur 103 km/h für die Bundesliga beisteuern.

Besser erwischte es sein Bruder Johannes Baier, der in Rudolstadt gestartet war, sofort den Thüringer Wald überquerte und im Fichtelgebirge auf die ersten Wolken traf. Konsequent setzte er den Südostkurs bis nach Budweis fort. Vor allem auf dem Rückweg nach Rudolstadt traf Johannes Baier dann immer wieder starke Aufwinde an, die ihm einen schnellen Vorwärtsflug auch ohne Rückenwindhilfe ermöglichten.

Mit 107,2 km/h vervollständigte er zusammen mit Lotte und Hertrich die Bayreuther Mannschaftsleistung von 325,2 km/h. Noch lange warteten die schon gelandeten LSGler auf eine Wertung von Alexander Müller, der sich in Lüsse, südlich von Berlin, auf einen am Montag beginnenden Wettbewerb vorbereitete. Im dortigen guten Wetter flog er am Samstag zwar in über 12 Stunden Flugzeit mit 1.203 Kilometer die größte je von Lüsse aus geflogene Strecke, aber mit 101,9 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit über die 2,5-stündige Bundesliga-Wertungszeit war auch er zu langsam, um noch eine Verbesserung der Mannschaftsleistung zu erzielen.

Schneller für die Bundesligawertung flogen andere Vereine aus dem Norden, die den Rundensieg unter sich ausmachten. Der Fliegerklub Brandenburg nutzte die guten und hohen Aufwinde über dem Märkischen Sand zu 339,5 km/h und gewann die Runde knapp vor dem Rekordsieger Luftsportverein Burgdorf (338,1). Titelverteidiger Aalen (337,4) lässt nicht locker, schickte gar 18 Piloten in das Rennen und erzielte ebenso knapp den dritten Platz. Dies bedeutet für Aalen einen Ausbau der Tabellenführung um weitere 4 Punkte auf nun 166 Punkte. Bayreuth (149 Punkte) muss nun schon 17 Punkte in den verbleibenden 8 Runden aufholen. Den Vorsprung auf die Drittplatzierten aus Schwäbisch Gmünd (140) konnte die LSG immerhin um drei Punkte ausbauen. Die anderen nordbayerischen Vereine aus Lichtenfels (4. Platz, 126 Punkte), Schwandorf (9., 94), Bamberg (10., 93) und Ansbach (23., 56) müssen allerdings weitere Punkt- und Platzierungsverluste verkraften.

Wie schon in der Vorwoche können sich einige Zweitligavereine sowie mehrere amerikanische Mannschaften in der Rundenwertung vor Bayreuth platzieren und sich auch zwischen Aalen (6. Rundenplatz) und Bayreuth (14.) schieben. Die LSGler liegen zwar mit 275 Punkten weiterhin auf Tabellenplatz zwei, haben aber nun schon 28 Punkte Rückstand auf Aalen. Dritter ist auch hier Schwäbisch Gmünd (242 Punkte) vor dem ersten US-Verein Moriarty Soaring (229). Die Runde gewann Tehachapi Southern Sierra aus Kalifornien (389,7 km/h) vor dem deutschen Zweitligisten Aero Team Klix (341,0).