Rundenbericht 14/2018

Weltligaführung akut gefährdet

Ferdinand Hauck

Es war klar, dass es für die Bayreuther Segelflieger schwierig werden würde, die am letzten Wochenende errungene Bundesliga-Tabellenführung über die Runde 14 zu erhalten. Zu sehr hat sich der Luftsportring Aalen auf die Titelverteidigung fixiert und die Fliegergruppe Schwäbisch Gmünd auf den ersten Titel ihrer Vereinsgeschichte. Auch war es schon am Freitag ersichtlich, dass es in Süddeutschland wohl kaum fliegbare Wetterbedingungen am Wochenende geben würde. Trotzdem waren die Bayreuther an beiden Tagen startbereit, um auch noch die kleinste Wolkenlücke schnell nutzen zu können.

Am Samstag zahlte sich dies nicht aus. Es entwickelte sich unter einer dichten Wolkendecke statt Thermik Landregen. Unverrichteter Dinge mussten die Piloten ihre Flugzeuge vor den heranziehenden Regenschauern wieder einpacken. Da auch kein weiterer Konkurrent aus Süddeutschland punktete, konnte die Halbzeitbilanz wie ein Unentschieden betrachtet werden.

Im Norden und Osten der Republik entwickelte sich hingegen gutes Segelflugwetter. So konnten drei Piloten des Luftsportverein Pirna jeweils über 110 km/h vorlegen. Auch weitere Mannschaften zeigten bei Flügen zwischen Berlin und Aachen, dass der Norden wohl auch am Sonntag gut sein könnte.

Trotzdem war man in Bayreuth guter Dinge, dass es brauchbare Aufwinde in Nordbayern geben würde und verzichtete auf eine große Fahrtstrecke. Wie man am Abend in den Ergebnislisten nachlesen konnte, hatten die Aalener und die Schwäbisch Gmünder diese Hoffnung schon am frühen Morgen aufgegeben, packten ihre Segler in die Anhänger und fuhren teilweise 500 km nach Norden.

Dies hat sich vor allem für Schwäbisch Gmünd gelohnt. Die Gmünder hatten sich für einen Start beim Bundesligakonkurrenten AC Nastätten im rheinland-pfälzischen Rhein-Lahn-Kreis entschieden. Als einziger Verein aus dem vorderen Tabellendrittel können die Gmünder sich mit 264 km/h auf einen guten Rundenplatz acht setzten und somit 13 Punkte kassieren.

Aalen bringt nur einen Piloten in die Wertung, der aber immerhin fast 85 km/h abliefern kann, was für Platz 16 und 5 Punkte gut ist. Auch er war in Rheinland-Pfalz gestartet, in Neumagen-Dhron an der Mosel. Da bei schlechtem Wetter bestimmt nicht alle 30 Erstligisten punkten werden, wollte man in Bayreuth unbedingt zumindest einen Flug über die Mindestwertung von 40km/h bringen.

Drei Piloten fanden sich schließlich bereit zu starten. Lothar Schmidt erwischte auch als Erster einen brauchbaren Thermikschlauch unter der noch immer sehr geschlossenen Wolkendecke. Leider war dies auch der einzige Aufwind zu dieser Zeit. Weil auch schon wieder ein Regenschauer im Anmarsch auf Bayreuth war, landete Schmidt gleich wieder. Das Regenradar machte aber Hoffnung auf den späten Nachmittag. Nachdem die Flugzeuge wieder abgetrocknet waren, machten sich Andreas Baier und sein Neffe Sebastian bereit. Beide fanden auch über einem Sonnenfleck am Rande des Fichtelgebirges einen guten Aufwind. Kurz darauf folgte Schmidt zum zweiten Mal. Zusammen mit Sebastian Baier fand er mehrfach wieder schwaches Steigen. So gelangten beide an Kemnath vorbei bis Erbendorf. Auch Andreas Baier, der zuerst Richtung Kulmbach flog, dann umdrehte, war inzwischen etwas in die Oberpfalz vorgedrungen, sah aber unter einer wieder geschlossenen Wolkendecke keinen Sinn für einen Weiterflug mehr. So kehrten alle drei um und versuchten weitere Aufwinde auf dem Heimweg zu finden. Anfänglich geling dies Schmidt so gut, dass er im Fichtelgebirge nochmals wendete und ein paar entscheidende Kilometer wieder Richtung Steinwald flog. Mit 47,7 km/h schaffte er die Mindestwertung und brachte zumindest den erhofften 17. Rundenplatz mit 4 Punkten.

Beide Baiers hatten nicht so viel Glück und konnten bei einsetzendem Regen im Gebiet um Bayreuth den wichtigen letzten Aufwind nicht mehr finden. Beide bleiben mit 36,7 (Andreas Baier) und 29,1 km/h (Sebastian Baier) unter der erforderlichen Mindestleistung.

Immerhin kann die Luftsportgemeinschaft so weitere 4 Punkte für einen Tabellenstand von nunmehr 187 Punkten addieren und weiterhin Tabellenführer bleiben. Aalen (183 Punkte) kommt einen Punkt näher, muss aber nun den zweiten Platz mit Schwäbisch Gmünd teilen. Lichtenfels (153) bleibt Vierter, obwohl sie nach ihrem Rundensieg letzte Woche nun eine Nullwertung verkraften müssen. Stark aufgeholt hat der Luftsportverein Rinteln (151), der sonntags mit 353 km/h auch noch Pirna überholen konnte und damit einen Rundensieg einfahren kann.

Auch international hat sich die Tabelle stark verändert. Mit nur einen Rundenpunkt kann Bayreuth zwar auch die Tabellenführung in der World-League verteidigen, aber Moriarty Soaring aus New Mexico legte gewaltige 440 km/h vor und gewann die Runde 14 mit großem km/h-Abstand vor Rinteln und Pirna. Dies bringt 40 Punkte auf das Tabellenkonto und reicht, um Aalen vom zweiten Platz zu verdrängen und der LSG bedrohlich nahe zukommen. Waren es vorige Woche noch 42 Punkte Vorsprung, sind es jetzt nur noch drei. 337 Punkte weist Moriarty auf, Tabellenführer Bayreuth 340. Zwischen Bayreuth und Aalen liegen nun 17 Punkte und 20 auf Schwäbisch Gmünd (320).